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Probleme mit Friesen
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© 2013 Jessica Tramm, Tierpsychologin (ATN)
 

Mein Friese schnappte und machte was er wollte

Ich glaube jeder Pferdebesitzer träumt davon, die eigenen Pferde am Haus zu haben. Genau diesen Traum haben wir uns erfüllt.

Natürlich durfte da das zweite Pferd nicht fehlen. Mein Traum war es, einen Friesen zu besitzen. Gesagt getan, und nun bin ich seit Februar Besitzer von Aiko, Friesenwallach, gerade 7 geworden und Freikopper.

Die folgenden Auffälligkeiten sind mir beim 2 maligen Probereiten nicht aufgefallen.

Aiko ist sehr hibbelig, er kann nicht eine Minute still stehen. Alleine im Stall zu bleiben ohne meine Stute war undenkbar. Dann hat er meist die halbe Stalltür auseinander genommen.

Er machte grundsätzlich das, was er wollte. Am schlimmsten war jedoch, dass man nicht mehr über den Platz gehen konnte. Er klebte förmlich an uns, legte die Ohren an und ging in ständige „Schnapp“ Position. Er wurde zunehmend agressiver, vorallem mir gegenüber. Er griff alles an, die Putzbürsten, Gerten, Peitschen, Eimer. Alles was ihm in die Quere kam.

Das Abäppeln vom Platz war nicht möglich, wenn Aiko frei rumlief. Er hat sofort die Schubkarre und Menschen und den Abäppler angegriffen.

Beim Führen ging es grundsätzlich nur dahin wo er hin wollte, ansonsten hatte ich ein Problem mit ihm.

Das Reiten war eine einzige Katastrophe, ich habe Krämpfe in den Beinen gehabt, dass kann man sich gar nicht vorstellen. Im Umgang wusste er nicht wohin mit seiner Kraft, fast schon hengstig und unterm Sattel ging er keinen Schritt vorwärts. Als wenn er mich nach Strich und Faden verarscht hat.

Friese Aiko nach einem Monat Training - nicht wiederzuerkennen

   

Übers Internet fand ich Jessica Tramm

Also fing ich an zu recherchieren und landete letzendlich auf Jessica´s Homepage. Natürlich habe ich mir die Kundenberichte und die Liste der Auffälligkeiten angeschaut. Zunehmend war ich geschockter, dass mein Aiko von jedem etwas hatte. Die halbe Liste der Verhaltensauffälligkeiten könnte er nutzen um sein Wesen zu beschreiben.

Es dauerte ca. 2 Wochen, bis ich mich traute mit Jessica Kontakt aufzunehmen.

Nach Ostern stand unser erster Termin fest. Aiko hat sich natürlich an diesem Tag  auch von seiner schlechtesten Seite gezeigt. Er war hibbelig, griff mich an und da passierte es auch, er schnappte bösartig nach mir.

Jessica war schnell klar, wo das Problem lag. Sie hat mir erstmal die Augen öffnen müssen, wie heftig Aiko war. Ich glaube Ihre Aussage:“ Das ist 'ne harte Nuss, aber wenn du den knackst, Respekt, dann kannst du mit jedem Pferd arbeiten!“  da habe ich gedacht, das werde ich dir zeigen! ;-)

Aber auf der anderen Seite habe ich oft Zweifel gehabt, mir ging es nicht gut nach dem Tag. Konnte lange nicht schlafen, Aiko beschäftigte mich Tag und Nacht. War es vielleicht doch ein Fehlkauf? Warum hat er diese Auffälligkeiten nicht beim Probereiten gehabt? Muss ich ihn zurück geben?

Nein, so ein Typ bin ich gar nicht, nur weil es mal schwierig wird, gleich aufgeben?! (Naja um ehrlich zu sein, teils war es ja schon lebensgefährlich mit Aiko!)

Also haben wir ganz von vorne begonnen. Diagnose: Aiko sieht mich als unterwürfig in seiner Herde an, er hat keinen Respekt vor mir. Obwohl er in der „echten“ Herde ein rangniedriges Glied ist. (Eigentlich kaum zu glauben).

 

Gelernt, Pferdeverhalten zu verstehen

Jessica hat mir gezeigt, Aikos Verhaltensmuster besser zu verstehen. Ich habe gelernt, ihn mehr zu ignorieren. Er ist wie ein kleines Baby, bockig wenn es nicht nach ihm geht. Irgendwie, wenn es auch negativ ist, Aufmerksamkeit zu erlangen. Damit ist Schluss und er kriegt nur noch seine Aufmerksamkeit, wenn ich es möchte. Er bekommt nur noch Futter zu seinen Mahlzeiten. Keine zwischdurch Leckerein mehr. Dies fällt oft schwer, denn wenn er was gut macht, darf ich ihn nur mit Stimme loben.

Wir haben mit Führtraining begonnen. Heftig gesagt, aber ich kämpfe mit ihm die Rangordnung aus. Natürlich nicht mit Gewalt, sondern mit Tipps, Tricks und Aufgaben, die Jessica mir aufträgt.

Mittlerweile ist ein Monat vergangen und Aiko ist fast nicht wieder zu erkennen. Ich glaube beim letzten Besuch von Jessica war sie mächtig stolz auf uns.

Ohne die positiven Zusprüche von dir wäre ich nicht so am Ball geblieben, vielen Dank dafür, Jessica!

Aiko ist zwar noch hibbelig und man kann ihn noch nicht anbinden, aber er lässt sich ohne Probleme auf dem Platz fertig machen. Striegeln ohne Angreifen. Er ist ganz relaxt bei der Sache. Gibt brav von alleine die Hufe (Was er vorher übrigens auch nicht gemacht hat).

Das Führtraining hat eine Menge bisher gebracht, er läuft dahin wo ich gerne möchte, ohne Ohren anlegen und ohne zu schnappen.

Er bleibt alleine im Stall, völlig ruhig und schnaubt sogar dabei. Faszinierend, was wir in so kurzer Zeit bewirkt haben. Ich weiß, es liegt noch sehr viel Arbeit vor uns, aber der Grundstein wurde gelegt.

Jessica und ich und natürlich der liebe Aiko ;-) (allerdings hat er es trotzdem faust dick hinter den Ohren) ,werden auch in Zukunft hoffentlich eine gute Zusammenarbeit mit weiterem Reitunterricht haben.

Falls ihr euch entschließt, mit eurem Pferd und Jessica zu arbeiten, verliert nie den Mut. Es muss einem immer bewusst sein, es wird ein harter und steiniger Weg, den man bereit sein muss zu gehen.

Ein weiterer Erfolg

Aiko lässt sich anbinden!

Es hat genau 2 Wochen gedauert, nachdem ich den Bericht geschrieben habe. Er steht ganz ruhig, sein hippeliges Verhalten hat er abgelegt!

Eigentlich kann man es noch gar nicht richtig fassen. Ich bin überglücklich, dass ich Aiko endlich wie jeder andere auch, putzen kann, aufsatteln, auftrensen usw. und das ganz ohne Heubestechung...

Im Führtraining läuft es super, ich muss mir keinen Kampfanzug (Schutzweste) mehr anziehen um mich zu schützen. Er legt keine Ohren mehr an, er folgt mir überall hin.

Auf der Weide kann man jederzeit an ihm vorbei gehen ohne Angst zu haben. Er ist ne richtige Schmusebacke geworden.

Trotz alledem gab es einige Wochen, wo er versucht hat, sich immer neue Tricks einfallen zu lassen. Grundsätzlich ist er von der Weide bis zum Anbindeplatz einmal stehen geblieben und hat sich nicht einen Milimeter mehr bewegt. Genauso auf dem Rückweg zur Weide und immer wenn ich nach dem Reiten abgestiegen bin, kam er nicht mehr vom Platz runter.

Dazu sei gesagt, natürlich nur wieder bei mir. Allen anderen Angehörigen, Freunden, Jessica folgt er ohne Probleme.

Auch dieses Problem haben wir fast abgelegt. Wie? Gerne Kontakt mit Jessica aufnehmen. 

Teils kommt er schon ganz alleine ohne Strick mit mir mit, aber auch das war eine Geduldsprobe. Ich bin gespannt, wie sich unsere Geschichte weiterentwickelt.